Törnbericht: Mallorca – Sardinien, Dezember 2017

Anfang Dezember 2017 hatte ich die Möglichkeit, gemeinsam mit drei Mitseglern eine knapp 14 Meter lange Jeanneau 45 von Mallorca nach Sardinien zu überführen. Ein kleines Abenteuer in der kalten Jahreszeit, die durchaus auch im sonnigen Süden ziemlich kalt sein kann. Das jedenfalls erfuhren die Passagiere im voll besetzten Flieger aus Berlin, als sie beim Anflug auf Palma die schneebedeckten Berge Mallorcas erblickten. Da man als Segler die Wetterkarten durchaus öfter studiert als der gemeine Erholungssuchende, war die Überraschung nicht all zu groß und die Pullover und Regenjacken, die man schon in Berlin anhatte taten bei 4 Grad im Club de Vela von Andratx ihren guten Dienst.

Wir hatten kaum das Boot bestiegen, als uns ein übereifriger Marinero auch schon von der Boje löste, an der das Schiff befestigt war. Die üblichen Checks an Batterien, Seeventilen und Maschine waren damit Makulatur und wir waren alsbald damit beschäftigt einen Platz im Hafen zu finden. Die Marineros scheinen um diese Jahreszeit allgemein nicht gerne gestört zu werden. Sie beschränken ihre Tätigkeit auf das Nötigste. Wenn man Glück hat, sind sie erst gar nicht da und man spart sich damit auch die Hafengebühren.

Unser Weg führte uns zunächst von Andratx über Colonia San Jordi um die Südostspitze Mallorcas nach Porto Christo. Hier begegneten uns die einzigen zwei Segelyachten, die offensichtlich mit Einheimischen als Tagesausflügler unterwegs waren. Zugegebener Maßen ist das Wetter um diese Jahreszeit nicht besonders stabil, aber das ist es im Sommer an der Ostsee auch nicht und die 10 bis 15 Grad Tagestemperatur habe ich auch schon im Juni vor Travemünde erlebt. Ja, es wird früh dunkel, aber das Licht der tief stehenden Sonne, die klare Luft und die Farben des Himmels sind unglaublich schön. Verwunderlich also, dass sich nicht mehr Segler auf das Wasser trauen.

Liegeplätze gibt es jedenfalls in den Marinas reichlich. Mit 72 Euro „Off Season“ Preis schießt Porto Christo den Vogel ab und wenn man dann auch noch unter einer lauwarm tröpfelnden Dusche steht, fragt man sich schon, warum man sich das antut. Der Sonnenaufgang bei der Abfahrt am nächsten Morgen beantwortet die Frage.

Die Überfahrt nach Mahon auf Menorca, unsere nächste Etappe, ist geprägt von totaler Flaute. So spiegelglatt habe ich das Mittelmeer noch nie erlebt. Unser – inzwischen durchgecheckter – Motor bringt uns sicher ans Ziel. Mit Blick auf die Wetterkarte, die auch für den folgenden Tag wenig Wind verspricht, legen wir einen Hafentag in Mahon ein, der sich absolut lohnt. Menorca ist schon im Sommer recht entspannt. Jetzt gehört die Insel fast ausschließlich den Bewohnern. Es gibt einen kleinen Weihnachtsmarkt mit kitschig amerikanischer Musik und die wenigen geöffneten Lokale legen sich für günstiges Geld mächtig ins Zeug.

Am nächsten Morgen fahren wir dann wieder in den Sonnenaufgang, unserem Ziel Carloforte auf San Pietro bei Sardinien entgegen. Bei gutem Halbwindkurs kommen wir zügig voran. Die letzen 8 Stunden kommt ein frischer Wind von achtern und baut eine etwas unangenehme Welle auf. Doch nach 38 Stunden auf See und insgesamt 315 Seemeilen kommen wir wohlbehalten in Italien an.

Carloforte ist ein sympathisches kleines Städtchen in dem die Welt zumindest äußerlich völlig in Ordnung zu sein scheint. Kleine Geschäfte, leckere Bäckereien, Fischläden und Lokale. Die Menschen entspannt und überaus freundlich. Irgendwie sind 10 Grad hier doch viel wärmer als 10 Grad in Berlin. Ein großer Dank gebührt unserem Mitsegler Filip, der schlau genug war, einen Heizlüfter auf das ansonsten unbeheizte Boot mitzubringen. Sonst hätten wir wohl noch mehr mallorquinischen Brandy trinken müssen. Alles in allem jedenfalls eine tolle Reise und eine schöne Erfahrung.

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